UNIVERSITÄT KARLSRUHE



\resizebox*{2cm}{2cm}{\includegraphics{pics/unilogo.eps}}


FAKULTÄT PHYSIK








Hauptseminar
Der Urknall und Seine Teilchen
bei W. D. Apel, W. de Boer, M. Feindt







Die Grundlagen der Urknall-Theorie







Michael Ralph Pape





14.01.2000

Das Standardmodell der Urknall-Theorie besagt, dass das Universum vor ca. 10-12 Milliarden Jahren aus einem ''Big Bang'' geboren wurde. Damals war es sehr heiß und seine Dichte war sehr groß. Im Laufe der Zeit expandierte es gleichmäßig. Dabei nahm seine Temperatur und Dichte ständig ab.

Gibt es Beweise für dieses Modell? JA;

Die Hubble-Expansion, die Urknall-Nukleosynthese und die kosmische Hintergrundstrahlung.

In den zwanziger Jahren hatten viele Kosmologen den festen Glauben, dass das Universum statisch sei, denn sie hatten an den Himmel geschaut und gesehen, dass die Sterne bewegunglos erschienen. Sogar ALBERT EINSTEIN der im März 1916 seine Arbeit mit dem Titel ''die Grundlagen der Allgemeinen Relativitätstheorie'' vollendente, war davon überzeugt. Seine Allgemeine Relativitätstheorie ist nicht mehr und nicht weniger als eine neue Gravitationstheorie. Sie beschreibt die Gravitation, sehr elegant als eine Verzerrung der Raum-Zeit-Geometrie. EINSTEIN wandte seine Allgemeine Relativitätstheorie auf das Weltall als Ganzes an. Er entdeckte dabei, dass es im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie nicht möglich war ein statisches Modell vom Weltall zu konstruieren. Daraus ergab sich ein Problem, dann wenn im ganzen Weltall Masse gleichförmig und statisch verteilt wäre, würde sie sich gegenseitig anziehen, und die ganze Konfigurations würde in sich zusammenstürzen.

Trotzdem blieb EINSTEIN dabei, dass das Weltall statisch sei. Er modifizierte die Allgemeine Relativitätstheorie indem er eine ''kosmologische Konstante'' einführte - eine Art universelle Abstoßung , die verhinderte, dass die gleichförmige Materieverteilung unter dem Einfluss der normalen Gravitation kollabierte.

1 Hubble-Gesetz

EINSTEINS Vorstellung hielt sich etwa ein Jahrzehnt, bis Astronomen bei der Messung der Geschwindigkeiten ferner Galxien feststellten, dass das Weltall ganz und gar nicht statisch ist. Dies wurde Ende der 20er Jahre von EDWIN HUBBLE in dem HUBBLE-Gesetz zusammengefasst. Es besagt, dass jede Galaxie mit einer Geschwindigkeit von uns zurückweicht, die in hohem Maße proportional zu ihrer Entfernung ist. Es gilt

\begin{displaymath}
v=H(t)  d\end{displaymath}

wobei \( v \) die Fluchtgeschwindigkeit, \( d \) die Entfernung der Galaxie, \( t \) die kosmische Zeit und \( H \) der HUBBLE-Parameter ist. Er ändert sich mit der Entwicklung des Weltalls, also der Zeit \( t \). \( H(t_{0}) \), \( t_{0} \) bedeuter heute, heißt HUBBLE-Konstante.

Der Wert der HUBBLE-Konstanten ist nur ungefähr bekannt. Die Fluchtgeschwindigkeiten der Galaxien lassen sich sehr genau über die Dopplerverschiebung der Spektrallinien in dem von den Galaxien ausgesandten Licht bestimmen. Die Entfernungen der Galaxien hingegen lassen sich nur sehr schwer bestimmen. In der Regel werden sie über eine Reihe indirekter Methoden gemessen. Es ergibt sich eine, bis auf ungefähr den Faktor 2 sichere, HUBBLE-Konstante von


\begin{displaymath}
H(t_{0})\approx (15\textrm{ bis }30)  \frac{\textrm{km}}{\textrm{s}\cdot \textrm{Millionen Lichtjahre}}  .\end{displaymath}

Der kleinere Wert für \( H \) wird von vielen Wissenschaftlern bevorzugt. Damit kann man das Alter des Weltalls auf ca. 20 Milliarden Jahre schätzen. Dies ist nicht ganz einfach, denn wir kennen die HUBBLE-Konstante nicht sehr genau und wir sind bezüglich der Massendichte im Weltall sehr unsicher. Die Massendichte ist für die Berechnung der geschichtlichen Entwicklung des Weltalls sehr wichtig, da sie bestimmt, wie schnell die kosmische Expansion durch die Gravitation abgebremst wird. Die HUBBLE-Expansion, die dem HUBBLE-Gesetz folgt, kann man sich anhand des folgenden Bildes vorstellen.



\includegraphics{pics/hubble.eps}

Quelle: [3, S. 146]



Die drei Bilder sollen aufeinanderfolgende Momentaufnahmen einer Region im Weltall darstellen. Jedes Bild ist eine Vergrößerung des vorhergehenden, wobei alle Entfernungen um den selben Prozentsatz vergößert sind. Alle Galaxien sind annähernd gleichwertig und mehr oder weniger gleichmäßig im Weltraum verteilt. Bei der Entwicklung des Systems von Diagramm (a) über (b) nach (c) vergrößern sich alle intergalaktischen Abstände, so dass Formen und Anordnungen gleich bleiben.

Ganz gleich auf welcher Galaxie ein Beobachter sitzten würde, stets würde er feststellen, dass alle anderen Galaxien sich von ihm entfernen, d. h. kein Punkt im Universum ist ausgezeichnet (kosmologisches Prinzip).

2 Urknall-Nukleosynthese

Eine starke Unterstützung erfährt das Urknall-Modell durch Untersuchungen zur Ursynthese der Atomkerne, d. h. zu der Entstehung der Elemente. Enorm hohe Temperaturen sind notwengig um Elemente aus Protonen und Neutronen synthetisieren zu können. Derartige Temperaturen herrschten ca. 1 sec nach dem Urknall.



\resizebox*{1\textwidth}{!}{\includegraphics{pics/zeitskala_universum.eps}}

Quelle: [2, S. 65]



In obigem Bild ist die Thermische Geschichte des Weltalters, die hier \( 10^{-43} \) Sekunden nach dem Urknall beginnt und bis zur Gegenwart andauert dargestellt. Es zeigt u. a. das der größte Teil von Helium-4, Helium-3, Deuterium und Lithium-7 im Universum etwa eine Minute nach dem Urknall synthetisiert wurde. Die schwereren Elemente wurden erst einige Millionen bis Milliarden Jahre später im Inneren der Sterne erzeugt.

Indem man die Relativen Häufigkeiten der Elemente im Universum mißt, kann man etwas über die physikalischen Bedingungen eine Sekunde nach dem Urknall erfahren. Im Vergleich dazu liefert die Hintergrundstrahlung nur Informationen über die Zeit ca. 100 000 Jahre nach dem Urknall.

Wir wollen nun berechnen was im Laufe der Ursynthese geschehen ist.

Als das Universum eine Temperatur \( T \) größer als \( 10^{10}  \textrm{K} \) hatte, war das Universum gefüllt mit einem Plasma, zum größten Teil bestehend aus Elektronen und Positronen. Zu dem Zeitpunkt als das Universum 1 s alt war, hatte es eine Temperarur von \( T\approx 10^{10}  \textrm{K} \). Dies entspricht einer Energie von \( kT\approx 1  \textrm{MeV} \). Die Ruhemasse der vorherrschenden Elektronen und Positronen beträgt \( m_{e}c^{2}\approx 0.5  \textrm{MeV}. \) Zu dieser Zeit ( \( T\approx 10^{10}  \textrm{K}) \) konnten nicht viele Neutronen oder Protonen existieren, da deren Ruhemasse \( m_{p}c^{2}\approx 1  \textrm{GeV} \) beträgt. Es konnte kein Atom lange existieren, da die Temperatur so hoch war, dass alle sich bildenden Kerne sofort wieder in Neutron und Proton zerschlagen worden wären. Aufgrund der hohen Zahl von Positronen und Elektronen kam es zu häufigen Wechselwirkungen mit den Protonen und Neutronen nach den Reaktionsgleichungen

$\displaystyle p+\bar{\nu }_{e}$ $\textstyle \overleftarrow{\rightarrow }$ $\displaystyle n+e^{+}$ (1)
$\displaystyle p+e^{-}$ $\textstyle \overleftarrow{\rightarrow }$ $\displaystyle n+\nu _{e}$ (2)

Diese Wechselwirkungen hatten zur Folge, das die Anzahl der Protonen und Neutronen nach und nach ins thermische Gleichgewicht kamen. Hier gilt die Gleichung
\begin{displaymath}
\frac{n_{n}}{n_{p}}\approx \textrm{e}^{-\frac{(m_{n}-m_{p})  c^{2}}{kT}}  ,
\end{displaymath} (3)

in der \( n_{n} \) und \( n_{p} \) die Anzahl der Neutronen und Protonen sowie \( m_{n} \) und \( m_{p} \) ihre Ruhemassen sind. Da \( m_{n}>m_{p} \) ist, sich also das Neutron etwas leichter in in Proton verwandelt als ein Proton in ein Neutron, war die Anzahl der Neutronen immer etwas kleiner als die Anzahl der Protonen. Nachdem das Universum weiter abkühlte und die Temperatur unterhalb von \( T\approx 10^{10}  \textrm{K} \) sank, kamen nur noch wenige Protonen vor, so dass sich durch die Reaktionen nach Gleichung (1) und (2) kein thermisches Gleichgewicht zwischen Protonen und Neutronen mehr einstellen konnte. Das Verhältnis \( \frac{n_{n}}{n_{p}} \), der Anzahl der Neutronen und Protonen, bleibt auf dem Wert des \( \approx 10^{10}  \textrm{K} \) Zustandes.

Die Massendifferenz zwischen Neutron und Proton beläuft sich auf

\begin{displaymath}
(m_{n}-m_{p})  c^{2}=1.3  \textrm{MeV}  .\end{displaymath}

Setzt man dies und eine Temperatur von \( T=10^{10}  \textrm{K} \) in Gleichung (3) ein, so erhält man ein Verhältnis von
\begin{displaymath}
\frac{n_{n}}{n_{p}}\approx \frac{1}{5}  .
\end{displaymath} (4)

Dies ist das Verhältniss der Neutronen und Protonen als sie bei \( T\approx 10^{10}  \textrm{K} \) ''ausgefroren'' wurden.

Das Universum kühlte sich weiter ab und als die Temperatur ungefähr \( T\approx 10^{9}  \textrm{K} \) betrug, begannen die Neutronen und Protonen zu Kernen zu fusionieren. Als Erstes bildete sich Deuterium ( \( ^{2}\textrm{H} \) ) nach der Reaktionsgleichung

\begin{displaymath}
n  +  p  \rightarrow   ^{2}\textrm{H}  +  \gamma   .\end{displaymath}

Da die Bindungsenergie von Deuterium nur 0.26 MeV beträgt, konnte die Urknall-Nukleosynthese erst bei der Temperatur von \( T\approx 10^{9}  \textrm{K} \), was der Energie von \( kT\approx 0.26  \textrm{MeV} \) entspricht, beginnen.

Nachdem nun Deuterium existierte, wandelten sich Neutronen und Protonen sehr schnell durch folgende Prozesse in Tritium (ein Proton und zwei Neutronen), Helium-3 (zwei Protonen und ein Neutron) und zu Helium-4 (zwei Protonen und zwei Neutronen) um.

\begin{eqnarray*}
n  +  p &   \rightarrow   & ^{2}\textrm{H}  +  \gamma  ...
...+  ^{2}\textrm{H} &   \rightarrow &   ^{4}\textrm{He}  +  n
\end{eqnarray*}



Da die Nukleonen (Neutron und Proton) in Helium-4 wesentlich stärker gebunden sind als in irgendeinem anderen leichten Kern, hörten diese Prozesse erst dann auf, als alle Neutronen zu Helium synthetisiert wurden. Die verbleibenden Protonen bildeten dann den im Universum vorkommenden atomaren Wasserstoff.

Kleinere Mengen an Beryllium-7 (vier Protonen und drei Neutronen) und Lithium-7 (drei Protonen und vier Neutronen) entstanden ebenfalls in dem Helium-4 mit Helium-3 bzw. Tritium reagierte.

Insgesamt lieferte die Urknall-Nukleosynthese also Helium-4, Spuren von Deuterium, Wasserstoff, Helium-3, Lithium-7 und Beryllium-7. Im wesentlichen hörten die Umwandlungsprozesse aber bei Helium-4 auf.

Da jedes Helium-4 Atom zwei Neutronen enthält ergibt sich die Anzahl der Helium-4 Atome je Volumeneinheit zu \( \frac{n_{n}}{2} \). Ebenso hat Helium-4 die Massenzahl 4, so dass sich die Häufigkeit \( Y \) von Helium zu

\begin{displaymath}
Y=\frac{4\cdot (\frac{n_{n}}{2})}{n_{n}+n_{p}}=\frac{2\cdot (\frac{n_{n}}{n_{p}})}{1+(\frac{n_{n}}{n_{p}})}
\end{displaymath} (5)

ergibt. Setzt man nun noch Gleichung (4) für \( \frac{n_{n}}{n_{p}} \) ein, so ergibt sich

\begin{displaymath}
Y=0.33  .\end{displaymath}

Dies ist die Häufigkeit mit der Helium im frühen Universum erzeugt wurde.

Aus Messungen, die an verschiedenen Galaxien durchgeführt wurden, hat sich die Heliumhäufigkeit für das gesamte Universum zu \( Y\approx 0.25-0.28 \) ergeben.



Name der Galaxie \( Y \)
Milchstraße 0.29
kleine Magellansche Wolke 0.25
große Magellansche Wolke 0.29
NGC6822 0.27
NGC4449 0.28
NGC5461 0.28
NGC5471 0.28
NGC7679 0.29



Die Werte in der obigen Tabelle wurden jeweils mit verschiedenen Methoden bestimmt; so dass man davon ausgehen kann, das sie realtiv gut stimmen.

Der von uns berechnete Wert für \( Y \) von \( Y=0.33 \) liegt zwar schon recht nahe bei dem heute beobachteten Wert, aber wird können ihn verbessert. Wir haben nämlich bei der obigen Beispielrechnung einen wichtigen Faktor außer Acht gelassen.

Freie Neutronen sind instabil, d. h. sie zerfallen nach folgender Reaktionsgleichung

\begin{displaymath}
n  \rightarrow   p  +  e^{-}  +  \bar{\nu }_{e}  .
\end{displaymath} (6)

Die Zerfallszeit beträgt ungefähr 10 Minuten.

Als \( T \) unter \( 10^{10}  \textrm{K} \) sank, begannen Neutronen und Protonen aus dem Gleichgewicht zu geraten, da nun die Protonen sich nicht mehr in Neutronen umwandeln konnten. Daher wurde der Prozess (6) irreversibel. Daraus folgt, dass der Neutronenzerfall das Verhältniss \( \frac{n_{n}}{n_{p}} \) immer kleiner werden lies.

In der Zeit die das Universums brauchte um von \( T\approx 10^{10}  \textrm{K} \) auf \( T\approx 10^{9}  \textrm{K} \) abzukühlen, das sind ca. 100 s kosmische Zeit, konnten dennoch einige Neutronen zu Protonen werden und somit fiel das Verhältnis \( \frac{n_{n}}{n_{p}} \) von \( \frac{1}{5} \) auf

\begin{displaymath}
\frac{n_{n}}{n_{p}}=\frac{1}{7}  .\end{displaymath}

Setzt man diesen Wert in Gleichung (5) ein, so erhält man den heute beobachteten Wert von \( {Y=0.25} \).

Aus obiger Rechnung können wir ersehen, das zwei glückliche Umstände zu unserem heutigen Universum geführt haben:

  1. die Zerfallszeit des Neutrons von ca. 10 Minuten
  2. die 100 s die zwischen \( T\approx 10^{10}  \textrm{K} \) und \( T\approx 10^{9}  \textrm{K} \) liegen.
Wären diese Wert leicht kleiner oder größer, so würde ein ganz anderes Universum existieren. Wäre z. B. die heutige Temperatur des Universums nicht 3 K, sondern ein wenig höher, so wäre die Temperatur von \( T\approx 10^{10}  \textrm{K} \) nicht dem Alter des Universums von 1 s gleichbedeutend, sondern einem höheren Alter. Damit hätten dann mehr Neutronen zerfallen können, und somit wäre das Verhältnis von \( \frac{n_{n}}{n_{p}} \) ebenfalls kleiner geworden. Damit würde auch \( Y \) fallen.



\includegraphics{pics/haeufigkeiten.eps}

Quelle: [2, S. 66]



In dem Diagramm sind die nach dem Urknall Modell des Universums vorhergesagten Häufigkeiten von Helium-4, Helium-3, Deuterium und Lithium-7 aufgetragen (Kurven) ebenso wie die beobachteten Häufigkeiten (schattierte waagerechete Streifen).

Die vorhergesagten Häufigkeiten ändern sich mit der jeweilig angenommen Nukleonendichte zur Zeit der Urknall-Nukleosynthese.

Der senkrechte schattierte Bereich deutet den besten heute verfügbaren astronomischen Schätzwert dieser Dichte an. Die gute Übereinstimmung der Vorhersagen mit den beobachteten Häufigkeiten ist sehr überzeugend. Sie stellt ein starkes Argument für das Urknall-Modell.

3 Kosmische Hintergrundstrahlung

Der Nobelpreis der Physik ging 1978 an zwei amerikanische Radioastronomen, PENZIAS und WILSON. Sie entdeckten 1965, unfreiwillig, bei der Eichung einer Mikrowellenantenne, mit der sie nach astronomischen Quellen die eine Radiointerferenz erzeugen könnten, Ausschau halten wollten, die kosmische Hintergrundstrahlung. Sie erkannten, dass die Strahlung extraterrestrischen Ursprungs war, keine Abhängikeit von Sonne oder Mond aufwies, gleichmäßig aus allen Himmelsrichtungen auf die Erde kam (isotrop war) und unabhängig von Tages- und Jahreszeit war.



\includegraphics{pics/3k_horn.eps}

Quelle: [6, S. 15]



Zur selben Zeit an der Princeton Universität, entwickelten Robert Dicke und seine Mitarbeiter ein Instrument, mit dem sie im Mikrowellenbereich nach einer Hintergrundstrahlung suchen wollten, die nach ihrer Meinung vom Urknall übriggeblieben sein muß.

1949, also knapp 20 Jahre vorher, hatte GEORG GAMOW bereits die Entdeckung der Hintergrundstrahlung aufgrund theoretischer Überlegungen vorausgesagt.

Er nahm an, dass sich kurz nach dem Urknall alle chemischen Elemente bildeten, mit Ausnahme des Wasserstoffs, der bereits vorhanden war. Das frühe Universum war für GAMOW ein riesiger Fusionsreaktor, in dem jedoch nicht der ganze Wasserstoff zu anderen Elementen fusionierte. Aus dieser Einschränkung schloß GAMOW, dass ein Rest der Strahlung dieses Fusionsreaktors noch heute nachweisbar sein müßte. Die Strahlung sollte sich durch die adiabatischen Expansion auf ca. 5 K abgeklühlt haben.

Heute wissen wir, dass das Universum seine große Dichte und hohe Temperatur nicht so lange behielt, dass sich schwere Elemente wie Kohlenstoff oder Silicium hätten bilden können. Schwere Elemente entstanden erst viel später im Inneren der Sterne.

Doch wie kam es nun zur Hintergrundstrahlung?

Als das Universum ungefähr 100 000 Jahre alt war, war seine Tempteratur so weit gefallen, dass die in der Urknall-Nukleosynthese entstandenen Kerne Elektronen einfangen konnten und somit die Photonen keine Streupartner mehr hatten. So geriet das thermischen Gleichgewicht zwischen den Teilchen der Materie und der Strahlung ins wanken. Die Strahlung entkoppelte von der Materie und das Universum wurde für Stahlung durchlässig. Dadurch das die Photonen nun keine Streupartner mehr hatten, blieb die Photonenzahl im Universum erhalten. Die Hintergrundstrahlung die wir heute empfangen ist zu dieser Zeit entstanden.

Die erste Messung machten PENZIAS und WILSON bei eine Wellenlänge von 7.35 cm. Nach und nach wurden dann Messungen im Bereich von 0.3 bis 75 cm Wellenlänge gemacht.

Bei Wellenlängen größer als 100 cm traten Störungen durch die hochfrequente Strahlung der Milchstraße auf. Bei Wellenlängen kleiner als 3 cm verursachte die Erdatmosphäre Störungen, so dass Beobachtungen nur noch von hoch gelegenen Obervatorien gemacht werden konnten. Messungen im Bereich kleiner als 0.3 cm Wellenlänge konnten nur von hoch fliegenden Ballonen oder Raketen gemacht werden.

Dabei zeigte sich, dass unsere Atmosphäre für Strahlung mit einer Wellenlänge von 0.9 cm sowie 0.3 cm durchlässig ist.

Nachdem das Spektrum der Stahlung gemessen wurde, stellte es sich heraus, dass es durch eine Plank-Verteilung beschrieben werden kann. Dies bedeutet, dass das gemessene Spektrum genau mit der Strahlung eines idealen schwarzen Körpers übereinstimmt, d. h. es ist nur von der Temperatur abhängig.

Nach dem Planckschen Gesetz ist die Energiedichte der Strahlung (der Photonen) im Intervall der Frequenzen \( \nu \) und \( \nu +\textrm{d}\nu \)

\begin{displaymath}
\textrm{ }\mu   \textrm{d}\nu =\frac{8  \pi   h}{c^{3}}\n...
...  \nu }{k_{B}  T}\right) -1\right] ^{-1}  \textrm{d}\nu   .\end{displaymath}

Integration über alle Frequenzen liefert das Stefan-Bolzmannsche Gesetz

\begin{eqnarray*}
\mu = & \frac{\pi ^{2}}{15}\cdot \frac{k^{4}_{B}}{h^{3}  c^{3}} & T^{4}\\
= & a_{0} & T^{4}
\end{eqnarray*}



\( k_{B} \) ist die Bolzmann-Konstante.



\includegraphics{pics/3k_wilson.eps}

Quelle: [3, S. 149]



Die Grafik zeigt das Spektrum der kosmischen Hintergrundstrahlung. Die senkrechten Balken und das schattierte Gebiet zeigen die Ergebnisse von Intensitätsmessungen bei verschiedenen Wellenlängen. Die durchgezogene Linie stellt eine theoretische Kurve dar, die der thermischen Strahlung bei einer Temperatur von 2.9 Kelvin entspricht. Neuere Exerimente von 1991 zeigen, dass das Spektrum der kosmischen Hintergrundstrahlung extrem gut mit dem eines schwarzen Strahlers übereinstimmt. Die durch den COBE (Cosmic-Background-Explore) Satelliten gemessene Temperatur betrug 2.726 Kelvin mit einer Unsicherheit von nur 0.005 Kelvin.

Die Temperatur der Hintergrundstrahlung läßt sich leicht aus dem Intensitätsmaximum und dem Wienschen Gesetz berechnen. Es lautet

\begin{displaymath}
\nu _{\textrm{max}}=5.88\cdot 10^{10}\cdot T  ,
\end{displaymath} (7)

\( \nu _{\textrm{max}} \) in \( \frac{1}{\textrm{s}} \) und \( T \) in \( \textrm{K} \). Durch das Auflösen nach \( T \) ergibt sich dann die Temperatur zu

\begin{displaymath}
T=\frac{\nu _{\textrm{max}}}{5.88\cdot 10^{10}}  .\end{displaymath}

4 Unbeantwortete Fragen

  1. Warum ist das Verhältnis der Anzahl der Photonen zu Anzahl der Protonen und Neutronen ausgerechnet etwa \( 10^{10} \)?
  2. Auf welche Weise wurde das Weltall großräumig gesehen so homogen oder war es von Anfang an so?
  3. Warum lag die Massendichte im jungen Weltall so ausserordentlich dicht bei der kritischen Dichte?
  4. Gibt es einen physikalischen Ursprung für die primordialen Dichtestörungen, die zur Entwicklung der Galaxien geführt haben?
Die Standard-Urknalltheorie bietet für diese Fragen keine Antwort. Sie nimmt stattdessen das Verhältniss Photonen zu Protonen und Neutronen, die großräumige Homogenität, die Nähe der Massendichte an der kritischen Dichte und die primordialen Dichtestörungen als Anfangsbedingungen an.

Antworten auf diese Fragen liefert erst die Idee des neuen inflationären Universums.

Literatur

1
APPENZELLER, IMMO: Kosmologie.
Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg, 1988.
*.

2
APPENZELLER, IMMO: Kosmologie und Teilchenphysik.
Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg, 1990.
*.

3
CORNELL, JAMES (): Die neue Kosmologie (Original: Bubbles, voids and bumps in time).
Birkhäuser, Basel, Boston, Berlin, 1991.
*.

4
DE BOER, WIM: Einführung in die Kosmologie.
Universität Karlsruhe, 1999.
*.

5
FANG, LI ZHI SHU XIAN LI (): Creation of the Universe.
World Scientific, Singapore, New Jersey, London, Hong Kong, 1989.
*.

6
RIORDAN, MICHAEL DAVID N. SCHRAMM (): Die Schatten der Schöpfung. Dunkle Materie und die Struktur des Universums (Original: The Shadows of Creation. Dark Matter and the Structure of the Universe).
Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York, 1992.
*.

7
SILK, JOSEPH: The Creation and Evolution of the Universe.
W. H. Freeman and Company, San Francisco, 1980.
*.

8
SILK, JOSEPH (): Die Geschichte des Kosmos. Vom Urknall bis zum Universum der Zukunft. (Original: A short history of the universe).
Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, Oxford, 1996.
*.

Über dieses Dokument ...

This document was generated using the LaTeX2HTML translator Version 99.2beta8 (1.42)

Copyright © 1993, 1994, 1995, 1996, Nikos Drakos, Computer Based Learning Unit, University of Leeds.
Copyright © 1997, 1998, 1999, Ross Moore, Mathematics Department, Macquarie University, Sydney.

The command line arguments were:
latex2html -split=0 -iso_language DE -nonavigation -t 'Grundlagen der Urknalltheorie' -antialias_text -antialias -image_type gif -transparent -white -scalable_fonts urknall.tex


Ralph Pape
2001-04-26